Perfekte Grat Wanderung: Das russische Atrium Quartett in der Alten Oper
Ein fein gedeckter Ton mit sparsamem Vibrato-Einsatz, frei von romantischen Schwulst, sogar eher klassizistisch im Ansatz: In dieser Darstellung wirkt Tschaikowskys Streichquartett Nr. 1 D-Dur op. 11 vornehm-dezent und sehr s.timmig. Beim jungen Atrium Quartett bekommt so selbst das Scherzo, das auch aufstampfend und derb gespielt werden koennte, toenzerische Eleganz.
Das Quartett, das sich schon vor zehn Jahren am Sankt Petersburger Konservatorium gruendete und seine Ausbildung in Amsterdam und Berlin fortsetzte, strafte nicht nur mit Tschaikowsky, sondern mit seinem ganzen, seinem Heimatland gewidmeten Programm alle Klischees einer vermeintlich typisch russischen Musizierhaltung Luegen. Den pathosschwangeren, «grossen» Ton suchte man bei Alexey Naumenko und Anton Ilyunin (Violinen), Dmitri Pitulko (Viola) und Anna Gorelova (Cello) beim Kammerkonzert der Frankfurter Museums-Gesellschaft in der Alten Oper vergeblich.